Neues Forschungsprojekt: Diasporische Identitäten in der Populärkultur. Belarus nach 2020
Im Zuge der gewaltsamen Niederschlagung der Massenproteste nach den manipulierten Präsidentschaftswahlen in Belarus im Jahr 2020 setzte eine neue, beispiellose Emigrationsbewegung ein. Im Gegensatz zu früheren Migrationswellen zeichnet sich die aktuelle durch einen deutlichen Anstieg der Gesamtzahlen aus, darunter insbesondere auch Fachkräfte. Zu dieser Gruppe gehören zahlreiche Wissenschaftler:innen, Künstler:innen, Schriftsteller:innen, Theaterleute, Filmemacher:innen und andere Kulturschaffende, die die belarusische Exilkultur maßgeblich prägen.
Das im Rahmen des Programms EU4Belarus – Support to Advanced Learning and Training (SALT III) geförderte interdisziplinäre Projekt Diasporische Identitäten in der Populärkultur. Belarus nach 2020 hat zum 1.7.2026 seine Arbeit aufgenommen. Tania Arcimovich, Pavel Niakhayeu, Matthias Schwartz (Leitung), Ulyana Veryna und Nina Weller (Koordination) untersuchen Narrative kultureller Identität in der zeitgenössischen belarusischen (Populär-)Kultur im Exil. Aufbauend auf Erkenntnissen der Kultur- und Migrationswissenschaften zur diasporischen Identität analysieren sie Transformations- und Hybridisierungsprozesse kultureller Identifikation in populärkulturellen Formaten und Medienprodukten. Im Fokus stehen die Aushandlungsprozesse, Konflikte, Widerstände, Konformitäten und Widersprüche zwischen verschiedenen Akteuren und Gemeinschaften der Diaspora sowie die Entstehung von Gegenerzählungen.
Dabei wird bewusst der Plural »Diasporas« verwendet, um die Heterogenität belarusischer Migrant:innengemeinschaften zu betonen. Ein intersektionaler Ansatz erlaubt die Erfassung ihrer Diversität hinsichtlich Geschlecht, Alter, sozialer Schicht, Rechts- und Migrationsstatus, politischer und religiöser Orientierungen sowie unterschiedlicher Migrationsverläufe im Laufe der Zeit. Ziel ist die Entwicklung eines differenzierten Verständnisses der Widersprüche, Spannungen und Herausforderungen diasporischer Gemeinschaften. Zu diesem Zweck werden Perspektiven aus Literatur-, Kultur-, Medien- und Musikwissenschaft sowie Performance Studies berücksichtigt.
Abb. oben: Masha Sviatahor: Sleeping Girls Leaving the City (Ausschnitt), aus der Serie Kurasoushchyna, My Love, 2016. © Masha Sviatahor