Buchrücken alter französischer Bücher mit Bibliothekssignaturen.
16.06.2026

Neues Provenienzforschungsprojekt: NS-Raubgut? Systematische Bestandsprüfung der ZfL-Bibliothek

Beim Umzug des ZfL im Sommer 2023 wurde in der Bibliothek ein kleines Konvolut französischsprachiger Titel entdeckt, bei dem es sich in Teilen nachweislich um NS-Raubgut handelte. Aus dem Verdacht, dass sich in der Bibliothek des ZfL weitere NS-verfolgungsbedingt entzogene Bücher befinden könnten, entstand daraufhin ein Provenienzforschungsprojekt, um verdächtige Bestände systematisch zu überprüfen.

Das vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderte Projekt NS-Raubgut? Systematische Bestandsprüfung der ZfL-Bibliothek hat zum 1. Juni 2026 seine Arbeit aufgenommen. Durchgeführt wird es von der Provenienzforscherin Anne Haeming. Die Projektleitung liegt bei Dirk Naguschewski, der am ZfL für Wissenstransfer und Kommunikation zuständig ist. Unterstützt wird das auf ein Jahr angelegte Projekt von der studentischen Mitarbeiterin Lea Weiß.

Im Zuge der Recherche soll der gesamte Buchbestand in ZfL-Besitz mit einem Erscheinungsjahr vor 1945 – insgesamt rund 5.000 Bände – systematisch auf kritische Provenienzen gesichtet werden. In Kombination mit den vorhandenen Zugangsbüchern lassen sich die vielfältigen Erwerbungswege des ZfL und seiner Vorgängerinstitutionen erhellen, beginnend mit dem 1952 in der DDR gegründeten Institut für Deutsche Sprache und Literatur als Teil der Deutschen Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Zum Projekt gehört, sämtliche Exemplare und ihre Provenienzmerkmale im Rahmen einer Autopsie fotografisch wie schriftlich zu dokumentieren und die Ergebnisse in die für die Provenienzforschung relevanten Kataloge und Datenbanken einzuarbeiten. Ziel ist es, festzustellen, bei welchen Objekten ein NS-verfolgungsbedingter Entzug vorliegt, um diese anschließend an die rechtmäßigen Erb*innen zu restituieren.

Bereits im Juni 2025 war das ZfL mit 93 Bänden an der Restitution von insgesamt 221 Büchern an die Erb*innen des ehemaligen jüdischen Pariser Anwalts Henry Torrès beteiligt. Die Rückgabe erfolgte auf der Konferenz Recovered Memories der französischen Kommission für die Restitution von Kulturgütern und die Entschädigungen der Opfer antisemitischer Enteignungen (CIVS) in Paris.