Charis und Charisma. Zur Idolatrie des 'puer aeternus', einem leitenden Motiv in der Literatur der zwanziger und dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts

"Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, - ein Seil über einem Abgrunde." (Friedrich Nietzsche)

"Existentielle Erfahrungen werden in der Moderne mit Vorzug als Verlust des Gleichgewichts bebildert, auf den der Absturz ins Bodenlose folgt. Als inständig umworbene Gegenentwürfe treten feine Figuren der Balance in den Blick, die ihr Ideal von 'Schönheit (in) der Bewegung' - Grazie - im Jongleur, Fechter, Tänzer, Akrobaten und im 'Artisten' finden. Insbesondere der in tödlicher Höhe arbeitende Seiltänzer rückt zum Emblem ungesicherter Existenz und dann des Künstlers auf. In diesem Buch - gewidmet der Vor- und Nachgeschichte der Seiltänzer-Szene in Nietzsches Zarathustra - wird die Grazie der Moderne in ihre Verschränkung mit Macht und Gewalt verhandelt. Die von der Würde zunehmend entkoppelte Grazie des Klassizismus zerfällt in Charis, die erotisch zweideutige Anmut, und Charisma, das den neuen Gott verkündende Propheten- und Herrschertum. Dabei lässt sich eine Affinität studieren: die Macht der Anmut auf der einen, die Grazie, der Charme des Charismatikers auf der anderen Seite." (Klappentext)

gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) 2003–2005
Leitung: Eckart Goebel, Eberhard Lämmert †

Publikationen

Eckart Goebel

Charis und Charisma
Grazie und Gewalt von Winckelmann bis Heidegger

LiteraturForschung Bd. 1
Kulturverlag Kadmos, Berlin 2006, 187 Seiten
ISBN: 978-3-931659-85-1

Eckart Goebel:

  • Das Verbrechen der Schönheit. "Jünglinge" bei Germaine Greer, Wilhelm Trapp, Philippe Besson und Jamie O'Neill, in: Weimarer Beiträge 3 (2004), S. 447 - 454.
  • Mann im Blick. Männliche Schönheit in der Mode und im Alltag. Zeitzeichen, in: Neue Zürcher Zeitung, 5.3.2004, S. 35
  • Der schwimmende Lord. Über George Byron, in: Mare. Die Zeitschrift der Meere, No. 38 (2003), S. 72-76.
  • "Söhne des Lichts". Herbert Lists Aktphotographie am Meer, in: Mare. Die Zeitschrift der Meere, No. 40 (2003), S. 110-120.