Tagung
22.10.2026 – 23.10.2026

»Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen« – ein Lexikon im Open Access

Ort: Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Eberhard-Lämmert-Saal, Eingang Meierottostr. 8, 10719 Berlin
Organisiert von Barbara Picht, Falko Schmieder
Kontakt: Barbara Picht

Eine methodisch innovative Begriffsgeschichtsforschung und ein Jahrhundert, das in seinen Grundbegriffen noch nicht systematisch und vergleichend für beide deutschen Staaten untersucht wurde: das sind die Ausgangspunkte des Projekts Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland.

Bei diesem Lexikon handelt es sich um ein interdisziplinäres Forschungsunternehmen, in dem Geschichts-, Kultur-, Sozial-, Sprach-, Medien- und Naturwissenschaften zusammenwirken, um die für den politisch-sozialen Diskurs im Deutschland des 20. Jahrhunderts zentralen Begriffe in ihrem historischen Wandel zu untersuchen. Für mehr als 30 solcher Begriffe liegen bereits die Ergebnisse vor (darunter Demokratie, Energie, Klima, Migration). Es gehört damit schon jetzt zu den unentbehrlichen Forschungsquellen und Orientierungshilfen für die geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen, die sich für die Vielschichtigkeit, Umstrittenheit und historischen Dimensionen ihrer Begriffe interessieren. Das Lexikon erscheint sukzessive im Open Access im Schwabe Verlag und nach der Online-Veröffentlichung aller Artikel in fünf Bänden auch im Druck.

Der bisherige Projektverlauf hat bestätigt, dass eine im Vergleich zu den Geschichtlichen Grundbegriffen oder auch dem Historischen Wörterbuch für Philosophie fortentwickelte Begriffsgeschichtsforschung neue Möglichkeiten eröffnet. Große digitalisierte Korpora, darunter sämtliche Reichs- und Bundestagsprotokolle, werden im Projekt mithilfe digitaler Tools erschlossen. Die Bedeutungswandel, semantischen Brüche und Innovationen der maßgeblichen und umstrittenen Begriffe können so für den Verlauf eines ganzen Jahrhunderts auf breiter Quellengrundlage sichtbar gemacht werden. Gezeigt hat sich zugleich, dass die digitale Begriffsgeschichtsforschung die ›klassischen‹ hermeneutischen Verfahren nicht ersetzen kann, sondern sie ergänzt.

Die Tagung stellt Begriffe kommender Artikel zur Diskussion. Ein Teil von ihnen wurden schon in den Geschichtlichen Grundbegriffen untersucht, blieb aber auch für das 20. Jahrhundert und seine gesellschaftlichen Dynamiken prägend (wie Natur oder Industrie). Aber auch im Vergleich mit den Geschichtlichen Grundbegriffen ›neue‹ Begriffe werden behandelt, die für die gesellschaftliche Selbstverständigung im politisch so wechselhaften 20. Jahrhundert unverzichtbar waren (wie Masse, Pluralismus oder Lager). Drittens schließlich geht es um politisch aufgeladene Begriffe, die für einen kulturwissenschaftlichen Zugriff prädestiniert sind, da sie zwischen mehreren Disziplinen zirkulierten und vielfältige alltagskulturelle Felder miteinander verbinden (wie Gleichheit, Natur oder Schuld).

 

Abb. oben: Naomi Booth, Quelle: Pixabay

Programm

Donnerstag, 22.10.2026

14.00  

  • Begrüßung durch die Herausgeber*innen
  • Henning Tümmers (Eberhard-Karls-Universität Tübingen): Gesundheit
  • Patrick Kupper (Universität Innsbruck): Natur

16.45    

  • Sascha Buselmeier (Universität Bielefeld): Bürokratie
  • Sebastian Huhnholz (FU Berlin): Steuer
  • Yaman Kouli (Universität Bonn): Industrie

 

Freitag, 23.10.2026

9.00

  • Shira Miron (Universität Basel): Mitte
  • Christoph Schmitt (Stadtarchiv Münsingen): Gleichheit

11.30    

  • Daniel Weidner (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg): Kulturkampf
  • Sibylla Wolfgarten-Açıcı (Universität Bonn): Pluralismus

14.30    

  • Frederice Stasik (Universität Bonn): Menschenwürde/Würde
  • Jonas Balzer (Universität Leipzig), Ansgar Martins (Universität Bern): Schuld

17.00    

  • Thomas Bryant (Internationale Hochschule Erfurt/Leipzig): Masse
  • Christoph Jahr (HU Berlin): Lager