Die Freiheit hat keine Garantien. Merab Mamardashvili — Denken in Katastrophenzeiten
»Geschichte ist das Drama der Freiheit – es gibt darin keine Garantien, keinen Mechanismus, der sie von selbst vorantreibt. Jeder Punkt ist vom Chaos umgeben. Verliert man die Anspannung des Denkens, fällt man in den Abgrund – und dieser Abgrund ist nicht irgendwo, er umgibt uns jetzt, in diesem Moment.« Der georgische Philosoph Merab Mamardashvili (1930–1990) formulierte seine Überlegungen Ende der 1980er Jahre in einer Sowjetunion, die nach außen noch stabil schien.
Er beschrieb von innen, was totalitäre Ideologie mit dem Bewusstsein macht – nicht als Wirkung äußerer Apparate, sondern als schleichende Selbstaufgabe des Denkens, die den Totalitarismus überdauert und in jeder Gesellschaft latent bleibt. Seine Botschaft an den Westen war unmissverständlich: Freiheit ist kein Erbe, sondern eine Anstrengung – wer Freiheit für selbstverständlich hält, steht bereits am Rand des Abgrunds.
Einer der bedeutendsten Philosophen der Sowjetzeit, im Westen bislang kaum rezipiert: Diese Tagung führt Mamardashvilis Denken erstmals in unsere Debatten über Ideologie, soziales Bewusstsein und die Bedingungen der Freiheit in der Gegenwart ein.
Eine Veranstaltung des ZfL in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb).
Abb. oben: Ainars Brūvelis: Denkmal für Merab Mamardashvili von Ernst Neiswestny in Tbilissi, Lizenz: CC BY-SA 3.0