Roter Säkularismus
Gespräch in der Reihe »Philosophische Gespräche« im Helle Panke e.V. mit Todd H. Weir, Moderation: Falko Schmieder
Aus welchen Quellen schöpfte die radikale Tradition der deutschen Arbeiterbewegung im 19. und 20. Jahrhundert? Die Linie von Marx und Engels über Bebel, Kautsky und Rosa Luxemburg ist bekannt. Aber was ist mit der Linie, die sich durch die naturwissenschaftliche Weltanschauung und den Antiklerikalismus inspirierte? Die Ausleihekataloge der sozialistischen Arbeiterbibliotheken zeigen, dass die Leser viel lieber populärwissenschaftliche Werke von Ernst Haeckel oder Ludwig Büchner als die Klassiker des Marxismus entliehen. Und in Arbeiterbiographien waren es oft die Lektüre dieser materialistisch-monistisch Autoren und ein Konflikt mit einem Pfarrer, die den ersten Schritt hin zur Opposition markierten. In der Weimarer Republik nahmen hunderttausende Sozialisten und Kommunisten an der freigeistigen Bewegung, vor allem als Mitglieder der Freidenkervereine teil.
In seinem Buch Roter Säkularismus. Sozialismus und freigeistige Kultur in Deutschland 1890 bis 1933 argumentiert der in den Niederlanden lehrende amerikanische Historiker Todd H. Weir, dass viele deutsche Linke aus zwei miteinander verwobenen, jedoch distinkten Traditionen schöpften, die sozialistische und die freigeistige. Er nennt die Schnittstellen zwischen den beiden den »roten Säkularismus«.
In dem Vortrag geht es darum, die These des roten Säkularismus auszuleuchten und zu debattieren.
Kosten: 2 Euro
Todd H. Weir hat sich als Historiker an der Humboldt-Universität zu Berlin und Columbia University ausgebildet. Er hat zwei Monographien zur Kultur- und Politikgeschichte des Säkularismus in Deutschland geschrieben. Er lehrt an der Universität Groningen (NL) und leitet dort ein Forschungsprojekt über die globale Geschichte des Begriffs »Weltanschauung«.
Der Kulturwissenschaftler Falko Schmieder leitet das Projekt Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen. Lexikon zur historischen Semantik in Deutschland am ZfL.