Formen und Funktionen von Weltverhältnissen

Projektbeschreibung

In die Lücke, die das antike Bild des Kosmos hinterlassen hat, rücken seither immer wieder neue Weltmodelle, die als Substitute oder Variationen jenes kosmologischen Weltganzen verstanden werden können. Ein solches Verständnis von Welt als dem Inbegriff eines Ganzen oder einer Totalität ist auf spezifische Organisationsprinzipien angewiesen. Davon zeugen etwa dualistische Unterscheidungen wie die von irdischer und überirdischer Welt. Neben und an die Stelle solcher dualistischer Modelle treten (monistische) Relationsmodelle. Beispiele für relationale Modellierungen innerhalb eines Weltganzen sind das Verhältnis von Substanz und Modus oder von Einheit und Vielfalt. Das Projekt fragt nach den epistemologischen, ontologischen und politischen Implikationen dieser Weltverhältnisse und ihrer Funktion für die Organisation des jeweiligen Weltmodells.

Von besonderem Interesse ist dabei die Frage nach einem Fortwirken anachronistisch erscheinender Weltverhältnisse. Wie kommt es zu einer Gleichzeitigkeit unterschiedlicher Weltverhältnisse bzw. Weltmodelle und was resultiert aus ihr? Ist deren wiederholtes Auftauchen vor dem Hintergrund ideologisch bedingter Funktionalisierung zu erklären, gibt es unbekannte Vermittlungsinstanzen oder sollten Modelle von Latenz/Emergenz herangezogen werden? Und welche Perspektiven könnten sich ausgehend von einer augenscheinlich diskontinuierlichen Geschichte solcher Weltverhältnisse mit Blick auf jene Narrative eröffnen, die das Selbstverständnis der westlichen Moderne prägen?

Das im Forschungsschwerpunkt Weltliteratur basierte Projekt untersucht diese, die jeweiligen Weltmodelle konstituierenden Verhältnisse anhand religiöser Traktate, literarischer Werke und wissenschaftlicher, insbesondere literaturtheoretischer Texte. Es hinterfragt in diesem Zusammenhang, inwiefern sich Literatur nicht nur reflexiv auf eine historische Wirklichkeit bzw. Welt bezieht, sie sich also durch ›Welthaltigkeit‹ auszeichnet, sondern auch, inwiefern ihre Form mit einem Weltbegriff in Beziehung steht und ihr somit eine ›Welthaftigkeit‹ (Hans Blumenberg) zukommen kann.

Programmförderung BMBF 2017–2019
Leitung: Eva Axer