Die Poesie der Klasse
Romantischer Antikapitalismus und die Erfindung des Proletariats

Matthes & Seitz, Berlin 2017, 460 Seiten
ISBN: 978-3-95757-398-8

Mit der Durchsetzung des Kapitalismus und der Industrialisierung entsteht im frühen 19. Jahrhundert aus verarmten Handwerkern, städtischem Pöbel, umherziehenden ländlichen Unterschichten, bankrotten Adligen und nicht zuletzt freigesetzten prekären Intellektuellen jenes neue soziale Kollektiv, das man in der Sprache der Zeit bald das Proletariat nennen wird. Allerdings existierte dieses zunächst noch nicht als formierte, homogene Klasse mit angeschlossenen politischen Parteien, die den Weg in die bessere Zukunft vorgeben. Die buntscheckige Erscheinung, die Träume und Sehnsüchte dieser allen ständischen Sicherheiten entrissenen Gestalten fanden neue Formen des Erzählens in romantischen Novellen, Reportagen, sozialstatistischen Untersuchungen, Monatsbulletins. Doch schon bald wurden sie – ungeordnet, gewaltvoll, nostalgisch, irrlichternd und utopisch, wie sie waren – von den Vordenkern der Arbeiterbewegung als reaktionär und anarchisch verunglimpft, weil sie nicht in die große lineare Fortschrittsvision passen wollten.

In seiner bahnbrechenden Studie verhilft Patrick Eiden-Offe dem lange verdrängten romantischen Antikapitalismus zu seinem Recht und befreit die Sozial- und Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts aus ihren eindimensionalen Sichtachsen. Dabei wird nicht zuletzt deutlich, dass die historische, poetisch besungene unordentliche Klasse den heutigen Figuren von Prekarität nach dem Ende der alten Arbeitsgesellschaft verblüffend ähnlich ist.

Im Herbst 2017 auf Platz 1 der Philosophie-Magazin-Bestenliste!

Veranstaltung

Buchpräsentation in der Merkur-Redaktion Berlin
20.07.2017 · 19.00 Uhr

Die Poesie der Klasse. Romantischer Antikapitalismus und die Erfindung des Proletariats

Merkur – Deutsche Zeitschrift für europäisches Denken, Redaktion, Mommsenstraße 27, 10629 Berlin

weiterlesen

Medienecho

18.10.2017
Die kommende Gefahr

Patrick Eiden-Offe fragt, wie die Vorstellung vom Proletariat entstand und die Wirklichkeit prägte. Rezension von Thomas Steinfeld, in: Süddeutsche Zeitung vom 18.10.2017 (14 Tage kostenfrei, aber nur mit Anmeldung, lesbar)

12.10.2017
Patrick Eiden-Offe: Die Poesie der Klasse

Rezension von Judith Leister, in: SWR 2, Sendung Lesenswert Kritik vom 12.10.2017, 14.55 Uhr (4:30 min)

28.09.2017
An einer revolutionären Ästhetik arbeiten

Patrick Eiden-Offes historisch-materialistische Literaturtheorie des Vormärz bietet Anknüpfungspunkte für die Gegenwart. Rezension von Enno Stahl, in: Jungle World vom 28.09.2017

28.09.2017
Poesie des Proletariats

Patrick Eiden-Offe folgt der Spur eines aufregend-schönen Neuanfangs. Rezension von Cord Riechelmann, in: Philosophie Magazin, H. 6/2017 (Oktober/November), S. 87

26.09.2017
Wie beginnt eine Revolution?

Vom ›Heiligen Eigentum‹ zur gesellschaftlichen Umwälzung. Fernsehinterview von Alexander Kluge mit Patrick Eiden-Offe, in: RTL, Sendung: 10 vor 11 vom 26.09.2017, 00:30 Uhr

21.09.2017
Grau ist alle Empirie

Patrick Eiden-Offe möchte den Proletariern ihre Buntheit zurückgeben und nimmt dem Begriff des Proletariats seine Schärfe. Rezension von Magnus Klaue, in: Jungle World vom 21.09.2017

12.08.2017
Die Poesie der Klasse

Rezension von Helmut Petzold, in: Bayerischer Rundfunk, Sendung: Diwan - Das Büchermagazin vom 12.08.2017 (Min. 40:5048:40)

03.08.2017
Klassenkampf braucht Mythos

Interview von Lennart Laberenz mit Patrick Eiden-Offe, in: der Freitag vom 03.08.2017 (kostenpflichtig)

25.07.2017
Montag: Feuerwerk. Dienstag: Demonstration. Mittwoch: Revolution.

Was sagt die Literatur zu den Begriffen ›Klasse‹, ›Revolte‹ und ›Proletariat‹? Fernsehinterview von Alexander Kluge mit Patrick Eiden-Offe, in: RTL, Sendung: 10 vor 11 vom 25.07.2017, 00:30 Uhr