Arbeitskreis
03.02.2026 · 16.30 Uhr

Ungarische Künstlerarchive der Akademie der Künste in Berlin

Ort: Leibniz-Zentrum für Literatur- und Kulturforschung, Ilse-Zimmermann-Saal, Pariser Str. 1, 10719 Berlin
Kontakt: theorycese@zfl-berlin.org (Anmeldung)
ZfL-Projekt(e): Semi-Peripheral Theory

The meeting will be held in German.

In der nächsten Sitzung des Arbeitskreises Semi-Peripheral Theory | Tendencies of Contemporary Theory Production in Central, Eastern and Southeastern Europe wird Katalin Madácsi-Laube (Akademie der Künste Berlin) zu Gast sein.

Nach Bekanntwerden der Vergabe des Literaturnobelpreises an László Krasznahorkai tauchte in einer aus diesem Anlass einberufenen Talkrunde des ungarischen Staatsfernsehens die Frage auf, welche Einrichtung künftig das literarische Archiv des designierten Preisträgers übernehmen wird. Die Runde war schlecht informiert. Findige Journalisten recherchierten im Internet zeitgleich eine Pressemitteilung der Österreichischen Nationalbibliothek aus dem Jahr 2024, mit der die Übernahme des Vorlasses des ungarischen Schriftsellers durch die Wiener Einrichtung bekanntgegeben wurde.

Der Fall Krasznahorkai ist nur das jüngste Beispiel einer Entwicklung, die sich in der Archivlandschaft in den letzten Jahren beobachten lässt: Immer mehr prominente ungarische Künstler entscheiden sich dafür, ihre Archive nicht in Ungarn, sondern in einer ausländischen Sammlung unterzubringen. Als Folge solcher persönlicher und privatrechtlicher Entscheidungen entstand an der Akademie der Künste in Berlin ein neuer Sammlungsschwerpunkt mit ungarischen Künstlerarchiven. Dazu gehören derzeit die Vor- bzw. Nachlässe der Schriftsteller Imre Kertész, György Konrád, Péter Esterházy, Péter Nádas, György Dalos und des Filmemachers István Szabó.

Katalin Madácsi-Laube, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Literaturarchiv der Akademie der Künste Berlin, wird nicht nur Einblicke in die prominenten Bestände des Archivs geben, sondern auch in die Vorgeschichte und Kontexte dieser aktuellen Entwicklung. Sie erörtert die bereits sichtbaren Konsequenzen mit Blick auf die sammlungsführenden Einrichtungen, die Forschung und nicht zuletzt auf die Kulturpolitik.