Schwarz-weiß-Foto einer großen weißen Frauenfigur mit einer Schale in der linken und einem Schwert in der rechten Hand. Um sie herum ist Wald.

Medea Straßen weit. Aby Warburgs Pathosformel heute

Im Konzept der Pathosformel fasst der Kunst- und Kulturwissenschaftler Aby Warburg (1866–1929) seine Beobachtung, dass starke Gesten expressiv eindeutig, aber inhaltlich ambivalent sein können. So vermögen sie höchsten Triumph, aber auch tiefste Trauer darzustellen. Ohne Kenntnis der Kontexte bliebe das unentscheidbar … vielleicht aber auch mit entsprechender Kenntnis. Das lässt sich anhand einer Untersuchung der aktuellen politischen Proteste in Georgien zeigen.

Die Ikonographie dieser Proteste kann auf den Mythos von Medea zurückgeführt werden, die ja ursprünglich aus dem im heutigen westlichen Georgien liegenden Kolchis stammt. Die Funktionalisierung antiker und späterer Medea-Ausgestaltungen in der aktuellen georgischen Protestkultur ist Gegenstand des Projektes. Dabei wird auch untersucht, welche Rückschlüsse diese aktuelle Indienstnahme von Pathosformeln auf Warburgs Theorie erlaubt.

 

Abb. oben: Statue »Mutter Georgiens« in Tbilisi. Quelle: Wikimedia Commons, 三猎, Lizenz: CC BY-SA 4.0

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