Ressourcen der Zukunft. Energiequellen und Wissenschaftseliten in spät- und postsowjetischer Science-Fiction und populärwissenschaftlicher Publizistik

Das Projekt ist Teil der DFG-Forschungsgruppe »Energien der Vernetzung. Akteure, Räume und Narrative in Osteuropa«. Darin untersuchen Wissenschaftler*innen der Freien Universität Berlin, der Humboldt-Universität zu Berlin, des Centre Marc Bloch und des ZfL gemeinsam folgende Fragen: Wie greifen die Gewinnung und Zirkulation von Energien und die (Um-)Gestaltung von Ressourcenräumen ineinander? In welchen formellen und informellen Netzwerkstrukturen gestalten menschliche und nichtmenschliche Akteur*innen Energieumwelten? Welche Begriffe, Topoi und Konzepte prägen Energiediskurse? Um diese komplexen Fragestellungen zu bearbeiten, arbeiten in der interdisziplinären Gruppe Literatur- und Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft eng zusammen.

Das am ZfL angesiedelte Teilprojekt untersucht anhand von Science-Fiction-Texten und populärwissenschaftlicher Publizistik, wie die zukünftige Erschließung vorhandener und noch zu entdeckender Energieressourcen seit Mitte der 1960er Jahre in der späten Sowjetunion sowie in den ersten beiden postsowjetischen Jahrzehnten als Lösung gesellschaftspolitischer, ökologischer und sozialer Probleme dargestellt wird. Dabei wird auch der Frage nachgegangen, welche Rolle der wissenschaftlich-technischen Intelligenz, insbesondere aus dem Energiesektor, hierbei zugeschrieben wird.

Um diese Zusammenhänge zu rekonstruieren, verfolgt das Teilprojekt folgende Leitfragen:

  1. Welche Nah- und Fernziele hinsichtlich der Erkundung, Erschließung und Nutzbarmachung von Energieressourcen werden in Science-Fiction und Publizistik formuliert?
  2. Welche utopischen Gesellschaftsentwürfe, ökologischen Zukunftsaussichten und alternativen Entwicklungswege präsentiert die Science-Fiction-Literatur angesichts bedrohlicher bis desaströser Entwicklungen der Ressourcenausbeutung? Welche Rolle misst sie den Wissenschaftseliten bei der Initiierung bzw. Bewältigung dieser Szenarien zu?
  3. Wie verhalten sich populärwissenschaftliche und fantastische Szenarien zueinander, und wie haben sie sich im Laufe der Zeit verändert? Welche Konvergenzen und Divergenzen, Brüche und Kontinuitäten lassen sich feststellen, und wie verhalten sich diese zu realgeschichtlichen Entwicklungen jener Jahre?

Durch die Beantwortung dieser Leitfragen will das Teilprojekt einen Beitrag zum Verständnis ideologischer und imaginärer Erwartungen leisten, die sich mit der Energienutzung und großen energiepolitischen Infrastrukturprojekten verbanden. Zugleich soll dargestellt werden, wie Fortschrittsglaube und Katastrophenerwartung noch über den Zusammenbruch der Sowjetunion hinaus entsprechende Diskurse und die Debatten um den Umgang mit den eng verflochtenen Energienetzen des postsowjetischen Raums prägten.

gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen der Forschungsgruppe »Energien der Vernetzung. Akteure, Räume und Narrative in Osteuropa« 2026–2030